Tinnituszentrierte Musiktherapie (TIM)

Zusammenfassung

Bei der Wahrnehmung des Tinnitus werden dieselben Systeme aktiv wie bei der generellen Verarbeitung auditiver Reize. Dieser Wahrnehmungsprozeß wird in der tinnituszentrierten Musiktherapie (TiM) genutzt. Der Patient lernt, sich aktiv auditiv nach außen zu wenden, um die Umprogrammierung der zentralen Hörbahn einzuleiten. Darüber hinaus kann er mit einem neuen Hörverhalten eigene Bewältigungsstrategien entwickeln.

Die TIM wird bereits seit mehr als 10 Jahren erfolgreich angewendet. Mit ihren 5 Elementen Hörberatung und Hörhygiene, Hörtherapie, musiktherapeutische Tiefenentspannung , sensorisch integrative Musiktherapie und individuelle musiktherapeutische Trainingsverfahren ist die TiM zu einem wichtigen Baustein in der Therapie des Tinnitus mit und ohne Hörstörungen geworden. Sie ist sowohl beim akuten, als auch bei länger andauerndem (persistierendem) Tinnitus wirksam.

Die TIM ist die Grundlage von Tinnitus Help.

Einige Fakten

In der vorliegenden Studie wurden 154 Akut-Patienten und 18 chronische Patienten mit Tinnitus zu ihrer Tinnitusbelastung und ihrem Hörverhalten, zu eigenen Bewältigungsstrategien und den Auswirkungen verschiedener musiktherapeutischer Interventionen befragt. Zusätzlich wurde vor und nach der Therapie ein Tinnitus-Profil erstellt und eine soziobiografische Anamnese vorgenommen (Profil der subjektiven Lebensqualität nach dem Lebensqualitäts-Test der WHO - "WHOQOL"). Die Ergebnisse, sowie Audiogramme und Patientenprotokolle, die aus fünfjähriger praktischer Arbeit mit Tinnitus-Patienten dokumentiert wurden, bildeten die Grundlage zu dem Modell einer Tinnituszentrierten Musiktherapie (TIM) mit den Bausteinen 1) Hörberatung, 2) Hörtherapie, 3) sensorisch-integrative Musiktherapie 4) musiktherapeutische Tiefenentspannung und 5) einem individuellen Hörtraining.

Ergebnisse Akut-Bereich: 46% der Patienten konnten schon während der ersten Stunde angeben, daß ihr Tinnitus zeitweise verschwunden war, bei 18% war er leiser geworden. 64,9% gaben an, daß sich ihre Einstellung zum Tinnitus deutlich gebessert habe. 85,7% fühlten sich entspannter, die musiktherapeutische Tiefenentspannung fanden 95,5% besonders angenehm Während vor der TIM 79,8% der Befragten ihrem Tinnitus hilflos gegenüberstanden, waren es nach der TIM 87,6% die nun selbst aktiv werden wollten. 60,4% gaben ein verändertes Bewußtsein fürs Hören an.

Ergebnisse subakuter/chronischer Bereich: Nur noch 5,5% fühlten sich nach der TIM stark belastet (vorher 66,6%). Die Fixierung auf das Ohrgeräusch nahm deutlich ab (vorher: 66,6%, nachher: 5,5%). Bei 94,4% der Patienten wurde nach der TIM ein verbessertes Audiogramm festgestellt. Auch die Überempfindlichkeit konnte abgebaut werden: 61,1% klagten vor der TIM über zum Teil schwere Hyperakusis, hinterher waren es nur noch 11,1% die eine leichte Überempfindlichkeit angaben. Bei 88,8% war sie vollständig abgebaut. Der Lebensqualitäts-Test sowie das Tinnitus-Profil zeigten bei den Patienten insgesamt deutlich bessere Werte.

Schlußfolgerung: Die Auswertung der Angaben von 154 Akut-Patienten deutet darauf hin, daß mit der TIM ein musiktherapeutischer Ansatz geschaffen werden konnte, der das Leiden am Tinnitus und seinen Begleiterscheinungen deutlich lindern kann. Die Angaben der 18 chronischen Patienten können hingegen nur einen Trend aufzeigen. Es wäre angesichts der kleinen Patientenzahl verfrüht, bereits jetzt von signifikanten Veränderungen zu sprechen.

Die überaus erfolgreichen Ergebnisse der TIM brachten es mit sich, daraus eine app zu entwickeln, die als erste app gegen Tinnitus auf dem Markt kam.
Heute finden sich Hunderte von applications, die bei tinnitus helfen sollen. Sie sind mehr oder weniger umfangreich, einige bestehen nur aus entspannender Musik oder nur aus Naturgeräuschen.

(4-2010)